Buch­be­spre­chung: Moo­dy Food Foto­gra­fie von Corin­na Gis­se­mann

Bereits seit einiger Zeit liegt das Buch "Moody Food-Fotografie" in meinem Regal. Endlich habe ich damit gearbeitet. Was es mir gebracht hat, liest du hier.

Buch­be­spre­chung: Moo­dy Food Foto­gra­fie von Corin­na Gis­se­mann

12. August 2023

Bereits seit einiger Zeit liegt das Buch "Moody Food-Fotografie" in meinem Regal. Endlich habe ich damit gearbeitet. Was es mir gebracht hat, liest du hier.

Nach vie­len Pau­sen, Irr- und Umwe­gen durch die Welt der Foto­gra­fie möch­te ich mit die­sem Blog den foto­gra­fi­schen Neu­start wagen und mich in unter­schied­li­chen foto­gra­fi­schen Gen­res aus­pro­bie­ren.

Ich habe bereits eini­ge Por­trait­shoots umset­zen kön­nen, die zu erstel­len mir wahn­sin­nig viel Freu­de berei­tet hat, habe Foto­walks mit mehr oder min­der guten Ergeb­nis­sen absol­viert, von Aus­stel­lun­gen berich­tet und sogar Hun­de foto­gra­fiert.

Das nächs­te grö­ße­re Pro­jekt, dem ich wid­men möch­te, soll die Food-Foto­gra­fie wer­den, also die Abbil­dung von ins­be­son­de­re Spei­sen.

Das ers­te foto­gra­fi­sche Zube­hör, das ich einst hat­te, war ein Licht­zelt. Kurz nach­dem ich mei­ne ers­te Kame­ra war das ein Geschenk mei­ner Eltern.

Ein Licht­zeit ist ein nach oben, zu den Sei­ten und nach hin­ten mit einem licht­durch­läs­si­gen Stoff ver­se­he­ner Kubus, der durch den Ein­satz von ver­dun­keln­den Plat­ten ein gewis­ses Maß Licht­kon­trol­le ermög­licht.

An den Sei­ten­wän­den kann man zwei Leuch­ten anbrin­gen, die von außen durch den Stoff schei­nen und so für ein wei­ches, sehr gefäl­li­ges Licht sor­gen.

Es pas­sen kei­ne beson­ders gro­ßen Gegen­stän­de in das Zelt, aber die­ses Zelt hat dafür gesorgt, dass ich das ers­te Mal ein Ver­ständ­nis für die Bedeu­tung von Licht in der Foto­gra­fie ent­wi­ckeln konn­te.

Ers­te Schrit­te in der Food-Foto­gra­fie

So kam es dann dazu, dass eines mei­ner ers­ten insze­nier­ten Fotos ein Food-Foto war. Ich habe mir damals kei­ne gro­ßen Gedan­ken über das Motiv gemacht, dafür war ich viel zu begeis­tert von den Mög­lich­kei­ten, die das Licht­zelt, die­ses für mich klei­ne Licht­wun­der, zu schaf­fen ver­moch­te. Und so ist ein Bild von drei But­ter­bro­ten ent­stan­den, die ich mir sei­ner­zeit als klei­nen Mit­tags­snack geschmiert hat­te.

Zuge­ge­ben ist das Foto kei­ne gro­ße Kunst und ich wür­de inzwi­schen eini­ges anders machen — foto­gra­fisch wie kuli­na­risch, denn beim Betrach­ten des Bil­des erschließt sich mir beim bes­ten Wil­len nicht, war­um ich statt roter gel­be Zwie­beln auf den Frisch­kä­se gestreut habe. Vom Bild­auf­bau und dem unauf­ge­räum­ten Tel­ler mal ganz zu schwei­gen. Gleich­sam ist das Bild aber auch kei­ne völ­li­ge Kata­stro­phe.

Ein paar Jah­re spä­ter hat­te ich bereits eine deut­lich grö­ße­re, zumin­dest theo­re­ti­sche, Kennt­nis über die Bedeu­tung von Licht und wuss­te, dass es auch mit dem Ein­satz von Fens­ter­licht mög­lich ist, Licht­stim­mun­gen zu erzeu­gen, um ein Foto ange­nehm aus­zu­leuch­ten.

Ich habe sei­ner­zeit in einem Kiosk gear­bei­tet und da ist mir die ers­te Aus­ga­be einer Koch­zeit­schrift, die es so lei­der nicht mehr gibt, in die Hän­de gefal­len. “Mut­ti kocht am bes­ten” hieß sie und war eine Mischung aus Rezept­samm­lung, Nost­al­gie und Life­style-Maga­zin.

Offen­bar haben mir die herz­haft gefüll­ten Pfann­ku­chen so gut gefal­len, dass ich sie unbe­dingt für die Nach­welt erhal­ten woll­te und für mei­nen fak­tisch zwei­ten Ver­such in Sachen Food-Foto­gra­fie fin­de ich das Bild eigent­lich ganz gelun­gen.

Danach flach­te mein Inter­es­se an der Food-Foto­gra­fie aller­dings auch wie­der rasant ab, wobei es die Foto­gra­fie mit lecke­rem Essen in Ver­bin­dung bringt und damit gleich zwei Lei­den­schaf­ten von mir kom­bi­niert.

Zwar hat­te ich mir zwei Video-Work­shops zum The­ma Food-Foto­gra­fie gekauft und mir auch ange­se­hen, so ganz wahn­sin­nig gelun­gen fand ich die Kur­se aber nicht und ent­spre­chend war mei­ne Moti­va­ti­on, die gezeig­ten Pro­jek­te selbst umzu­set­zen.

Erst als ich in einer Foto-Zeit­schrift von Corin­na Gis­se­manns “Moo­dy Food-Foto­gra­fie” las, hat­te ich wie­der Lust, mich erneut an die­ser foto­gra­fi­schen Spiel­art zu ver­su­chen.

Das Buch

Es gibt eini­ge Blogs und sogar Pod­casts, die Rezen­sio­nen oder Bespre­chun­gen zu Foto­bü­chern behan­deln. Ich habe dabei nie so rich­tig ver­stan­den, war­um ich in all den Rezen­sio­nen nie auch nur ein Foto gese­hen habe, das auf Basis der bespro­che­nen Wer­ke ent­stan­den ist.

Es ist natür­lich ein Leich­tes, ein Buch quer­zu­le­sen und sich zu den­ken, Licht in einem 45-Grad-Win­kel zum Motiv auf­bau­en, hier ein wenig Schat­ten, dort ein High­light — klingt ja gar nicht so schwer, also wird das Buch wohl gut sein.

Und wirk­lich schwer klin­gen Auf­ga­ben aus Foto- oder ande­ren Lehr­bü­chern nie. Auch Koch­re­zep­te lesen sich recht plau­si­bel und plötz­lich steht man doch vor der Her­aus­for­de­rung, die Theo­rie in die Pra­xis umset­zen zu wol­len und stellt fest, dass, im über­tra­ge­nen Sin­ne, das Panie­ren eines Schnit­zels eine ganz schön kleb­ri­ge Ange­le­gen­heit sein kann.

Mir ist daher wich­tig, dass ich die Bücher, die ich fort­an hier bespre­che, auch mehr oder weni­ger inten­siv durch­ge­ar­bei­tet habe. Wie soll ich dir sonst ernst­haft sagen kön­nen, ob ich mit dem Buch etwas anfan­gen konn­te?

Es liegt mir zudem fern, eine wirk­li­che Bewer­tung im Sin­ne von “gut” oder “schlecht” vor­zu­neh­men. Soll­te ich mal fest­stel­len, dass ein Foto­buch wirk­lich so schwach ist, dass ich nicht wei­ter damit arbei­ten darf, arbei­te ich damit ja auch nicht wei­ter — es wird dann folg­lich auch kei­ne Bil­der geben, die ich zei­gen könn­te und ohne Bil­der gibt es auch kei­nen Blog-Post.

Da dies mei­ne ers­te Buch­be­spre­chung ist, wei­se ich dar­auf aller­dings nur grund­sätz­lich hin — denn die “Moo­dy Food-Foto­gra­fie” hat mir rich­tig gut gefal­len.

Ich habe mir das Buch, das >vom d.punkt-Verlag ver­öf­fent­licht wur­de, bereits kurz nach dem Erschei­nen 2019 gekauft und wie so vie­le Bücher lag es dann zunächst eini­ge Zeit, was sehr euphe­mis­tisch für ein paar Jah­re ist, in mei­nem Schrank.

Die Moo­dy Food-Foto­gra­fie ist vor allem durch ihren Bild­look gekenn­zeich­net. Ein geht ein wenig düs­ter zu, es gibt viel schwarz und mit­un­ter recht star­ke Kon­tras­te. Im Gegen­satz zum “dark and moody”-Look steht übri­gens “light and airy”, bei der Bil­der sehr hell belich­tet und eher kon­trast­arm daher­kom­men. Letz­te­ren Look fin­det man vor allem in der Hoch­zeits­fo­to­gra­fie, aber eben auch bei eini­gen Food-Fotos.

Corin­na Gis­se­mann hat ihr Buch in durch­aus nach­voll­zieh­ba­re Kapi­tel auf­ge­teilt und beginnt mit einer Defi­ni­ti­on was die­ses moo­dy über­haupt ist und wie der Look erzeugt wird.

Es folgt ein Abschnitt über das erfor­der­li­che Werk­zeug, von der Kame­ra, den Objek­ti­ven, der Soft­ware, Requi­si­ten oder dem Licht ‑wobei es gera­de beim Licht auch ein Fens­ter tut.

Anschlie­ßend geht es direkt an das ers­te klei­ne Food-Pro­jekt, eine Bir­ne soll abge­lich­tet wer­den, bevor es dann an das sehr wich­ti­ge Kapi­tel zur Licht­füh­rung geht.

Anschlie­ßend folgt wie­der ein prak­ti­scher Teil, der mit zwei Auf­ga­ben wie­der direkt in zwei Bild­looks ein­führt.

Die Übun­gen sind sehr prä­zi­se und gut nach­voll­zieh­bar beschrie­ben, vom Auf­bau, der Posi­tio­nie­rung der Licht­quel­le bis hin zur Bild­be­ar­bei­tung.

Die Bear­bei­tung der Fotos beschreibt Corin­na Gis­se­mann am Bei­spiel der Bild­be­ar­bei­tungs­soft­ware Ligh­t­room — was für mich ein wenig scha­de ist, weil ich zwar eine Ligh­t­room-Lizenz habe, mei­ne Fotos aber mit Cap­tu­re One bear­bei­te und die ein­zel­nen Schrit­te so ein wenig Trans­fer­ar­beit erfor­der­lich machen — aber im Grund­sätz­li­chen sind die Bear­bei­tungs­schrit­te leicht nach­zu­voll­zie­hen.

Mei­ne Bear­bei­tung unter­schei­det sich ohne­hin leicht von der Gis­se­manns, da ich mei­ne Raw-Datei­en zunächst in Cap­tu­re One ent­wick­le, dann in Pho­to­shop nach­be­ar­bei­te und anschlie­ßend die aus Pho­to­shop zurück zu Cap­tu­re One expor­tier­te Datei noch mal mit einem Style, oder Pre­set für die Ligh­t­room-Nut­zer, ver­ed­le.

Bei den Styl­es nut­ze ich übri­gens meis­tens die Kod­ak- und Fuji-Simu­la­tio­nen von >Mastin Labs, die mir rich­tig gut gefal­len und so mei­nen Fotos einen halb­wegs ein­heit­li­chen Look geben.

Die ers­te Auf­ga­be erzählt die Geschich­te eines frisch gepress­ten Oran­gen­safts — und tat­säch­lich emp­fand ich es gar nicht als so tri­vi­al, den vor­ge­schla­ge­nen Auf­bau nach­zu­stel­len. Den­noch mag ich mein Bild­ergeb­nis.

Die zwei­te Moo­dy Food-Übung soll­te eigent­lich eine Waf­fel zei­gen, auf der ein wenig Frucht­quark ver­stri­chen wird.

Mein Plan war, den Quark durch Sah­ne zu erset­zen und als Früch­te Erd­bee­ren zu nut­zen. Lei­der war ich an jenem Abend, an dem ich das Foto machen woll­te, ein wenig neben der Spur und habe die Erd­bee­ren auf­ge­ges­sen, bevor ich mich ans Foto­gra­fie­ren gemacht habe.

Also bin ich am nächs­ten Tag noch ein­mal los, habe aber kei­ne Erd­bee­ren mehr bekom­men, wes­we­gen ein paar Phy­sa­lis her­hal­ten muss­ten.

Ich habe zu den Waf­fel-Fotos übri­gens einen eige­nen klei­nen Bei­trag ver­fasst, in dem du auch ein paar Making Of-Bil­der sehen kannst. Aller­dings habe ich das Foto im Ver­gleich zur Vari­an­te, die du im Blog-Post “>Why Can’t I Just Eat My Waff­le” sehen kannst, noch ein­mal leicht anders bear­bei­tet. Der Titel ist übri­gens ein Zitat von Barack Oba­ma.

In wei­te­ren, eben­falls aus­führ­li­chen Kapi­teln geht Corin­na Gis­se­mann auf die The­men Sto­rytel­ling, Bild­ge­stal­tung und Licht­spie­le ein.

Dar­über hin­aus gibt sie Tipps, wel­che Requi­si­ten sich eig­nen und wie man sei­ne deko­ra­ti­ven Uten­si­li­en selbst bas­teln kann. Auch das The­ma Unter­grün­de wird behan­delt und wer es ger­ne ein­fach mag, kann sich auch direkt bei der Autorin hand­ge­mach­te Unter­grün­de bestel­len.

Mei­ne Unter­grün­de habe ich bei einem Inter­net-Ver­sen­der bestellt und ich wür­de dir ger­ne den Namen nen­nen, nur erin­ne­re ich mich beim bes­ten Wil­len nicht mehr und konn­te den Ver­käu­fer auch bei einer Goog­le-Suche nicht mehr fin­den.

Mein Mehr­wert: Über Licht ler­nen und ins han­deln kom­men

Corin­na Gis­se­manns Lehr­buch ist ein tol­ler Rat­ge­ber für einen Ein­stieg in die Moo­dy Food-Foto­gra­fie. Es ist her­vor­ra­gend geschrie­ben, die vor­ge­schla­ge­nen Übun­gen aus­zu­pro­bie­ren machen irre viel Spaß und mich per­sön­lich hat es ein gan­zes Stück wei­ter gebracht.

Den größ­ten Nut­zen hat­te das Buch für mich aber gar nicht so sehr für mei­ne Food-Foto­gra­fie, son­dern vor allem als unfass­ba­re Moti­va­ti­ons­hil­fe und Lehr­buch über die wich­tigs­te Dis­zi­plin, die es in der Foto­gra­fie zu beach­ten gibt: Den krea­ti­ven Umgang mit Licht.

Und oh boy, was habe ich mich im Rah­men der Arbeit mit dem Buch mit Licht­set­zung befasst.

Das eigent­li­che Foto­gra­fie­ren, also der rein tech­ni­sche Akt des Ein­stel­lens von Blen­de, Zeit, ISO und das anschlie­ßen­de Aus­lö­sen, ver­kom­men zur völ­li­gen Neben­sa­che. Aber hier mal das Licht, ich habe die meis­ten Bil­der mit einem Dau­er­licht und einer gro­ßen Soft­box erstellt, etwas nach links rücken, dort einen Abschat­ter, also ein schwar­zes Stück Pap­pe zur geziel­ten Abdun­ke­lung eini­ger Bild­be­rei­che, plat­zie­ren — ich habe mitt­ler­wei­le so eini­ge Stun­den mit mei­nen Food-Fotos ver­bracht.

Die Vor­be­rei­tung eines Food-Fotos berei­tet mir rie­si­ge Freu­de. Die Fra­ge, wel­ches Zube­hör auf ein Bild soll, wel­che Zuta­ten ich abbil­den und was ich wo plat­zie­ren möch­te kann mich über Stun­den beschäf­ti­gen, .

Gera­de die­se die­se Frei­tag- oder Sams­tag­aben­de, an denen ich mal nichts vor­ha­be oder ein ver­reg­ne­ter Sonn­tag­nach­mit­tag sind per­fekt geeig­net, um ein wenig Musik zu hören und sich dem Auf­bau sei­nes Food-Sze­na­ri­os zu wid­men.

Wenn­gleich ich noch nicht alle Übun­gen aus dem Buch bear­bei­tet habe, hat mich Moo­dy Food-Foto­gra­fie abso­lut über­zeugt. Soll­test du also auch den Ein­stieg in das span­nen­de Gen­re wagen wol­len, sind die knapp drei­ßig Euro, die es kos­tet, den Preis mehr als wert.

Und ich freue mich rie­sig, den einen oder ande­ren wei­te­ren Vor­schlag, den Corin­na Gis­se­mann ihren Leser:innen mit auf den Weg gibt, aus­zu­pro­bie­ren. Es wird also auch in Zukunft sicher­lich noch wei­te­re Fotos und Bei­trä­ge über die leckers­te foto­gra­fi­sche Spiel­art geben, die es über­haupt gibt.